
Sie fielen schon auf – die dreißig jungen Menschen, die am Mittwochabend im Theater Münster das Publikum aufmischten. Lässig elegant gekleidet, senkten die Schülerinnen und Schüler der beiden Deutsch-LKs den Altersdurchschnitt des ansonsten eher gesetzten Publikums deutlich. Dass sich dieses aber keine Sorge machen musste, dass ihr – vermutlich bewusst außerhalb von Theaterjugendring-Vorstellungen terminierter – Theaterabend nun von lärmenden Schülern torpediert werden würde, wurde spätestens bei der Einführungsveranstaltung klar. Denn es waren fast nur die Jugendlichen, die die Frage, wer das Stück denn bereits kenne, bejahen konnten. Man hatte es also mit LiteraturkennerInnen zu tun!
Was das Publikum dann zu sehen bekam, war keine leichte Kost. Die Regisseurin hatte auf Minimalismus gesetzt und den Text der gut zwanzig Charaktere des Schiller-Stückes auf fünf handelnde Figuren verteilt. Das war eine ebenso unerwartete wie überzeugende Regie-Idee, da damit der machtpolitische und persönliche Konflikt zwischen Maria Stuart und ihrer Cousine Elisabeth fokussiert wurde, die beide als selbstbewusste Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen versuchten, zugleich aber auch ihre Grenzen durch das politische System erfahren mussten.
Für die literarisch vorgebildeten KvG-LKs bot die Inszenierung die spannende Frage, herauszufinden, wem Schiller die „fremdgegangenen“ Textpassagen im Original denn eigentlich zugewiesen hatte – eine durchaus anspruchsvolle intellektuelle Herausforderung!
Lieber humorvoll aktualisierender „Krug“ in Dortmund oder intellektuelle Reduktion der „Stuart“ in Münster? Für beides gibt es gute Argumente und persönliche Vorlieben. Was bleibt? Gutes Theater wird immer herausfordernd bleiben!
